Während Ende des Jahres die beiden dann 20-jährigen Dommaraju Gukesh und Javohir Sindarov die 52. Schachweltmeisterschaft in einem sieben Sterne Hotel an einem noch unbekannten Ort austragen werden, fand in der Mitte des Jahres an unserer etwas weniger luxuriösen Schule die nun schon dritte Schulschachmeisterschaft mit noch jüngeren Schachspielern statt. Im Alter von 20 Jahren weltmeisterlich Schach zu spielen ist beeindruckend, im Alter von 11, 12 oder 13 Jahren schulmeisterlich das Gleiche zu tun, noch viel mehr. Gute Voraussetzungen also für ein tolles Turnier. Und so trafen sich am 9. Juni insgesamt 20 Teilnehmende an den Brettern, die für diesen Nachmittag die Welt bedeuteten, um, wie seit rund 1500 Jahren üblich, mit je 16 Figuren auf 64 Feldern gegeneinander anzutreten. Jede Partie hatte eine Zeitbegrenzung von 20 Minuten, was nicht nur präzises sondern auch schnelles ziehen nötig machte.

Nachdem sich die anfängliche Nervosität gelegt hatte, zeigten spätestens ab Runde 2 alle Schachspieler*innen ihr Können. Schachspieler*INNEN, da mit Marla Reichenbach aus der 5S1 auch ein Mädchen den Weg ans Schachbrett fand und sich mutig wie einst Judith Polgár in ihre Partien stürzte. Es ging hin und her, nur an der Spitze des Feldes zeigten Florian Hoffmann aus der 6G1 und Abdulrahman Hesso aus der 5G2 ein konstant starke Leistung und trafen sich als einzige mit drei Siegen aus drei Spielen in Runde vier, um den Platz an der Sonne auszuspielen. Denkbar knapp setzte sich Florian durch und schaffte es, die errungene Führung bis zum Schluss zu behaupten. Mit 4,5 von 5 möglichen Punkten siegte er überlegen und sicherte sich Gold. Auf dem Silberrang folgte Abdulrahman, der einige seiner Gegner Matt setzte, noch bevor diese richtig auf ihrem Stuhl Platz genommen hatten.

Richtig spannend wurde es beim Kampf um Platz 3: Neun Spieler hatten vor Beginn der letzten Runde noch die Chance auf die Bronzemedaille. Dank eines Unentschiedens gegen den Turniersieger, sicherte sich schließlich Max Luca Mertens aus der 6G2 mit 3,5/5 Punkten den dritten Platz auf dem Treppchen und nahm seine verdiente Medaille mit Erstaunen und Stolz entgegen.

Gleichwohl nur drei Schüler mit Medaillen ausgezeichnet wurden, hat jede*r der Teilnehmenden gewonnen. Sich zweieinhalb Stunden konzentriert in einem der komplexesten Spiele der Welt zu messen, schaffen die wenigsten Erwachsenen. Hier waren es Fünft- und Sechstklässler, die dabei sogar noch Freude hatten, den an diesem Tag Besseren neidlos gratulierten und zum Schluss unaufgefordert und ganz selbstverständlich noch beim Aufräumen halfen.

Womit wir wieder bei den eingangs erwähnten Großmeistern wären: Über Gukesh wie über Sindarov heißt es, sie nähmen sich nach einem langen und anstrengenden Turnier stets die Zeit, um sich bei allen, die am jeweiligen Turnier mitwirkten, von den Organisator*innen bis hin zu den Reinigungskräften, persönlich zu bedanken. „Achtsamkeit und Höflichkeit“, so Gukesh bei einem seiner zahlreichen Interviews nach dem Gewinn der Schachweltmeisterschaft 2024, „sind die wichtigsten Tugenden, die mich das Schachspiel lehrte“. Wir lernen: Mehr achtsame und höfliche Schachspieler*innen braucht die Welt. An unserer Schule gibt es schon einige davon.

Alexander Dexbach

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